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Das Soziale in Social Media
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Das Soziale in Social Media

Wie Svenja Ruhöfer zeigt, dass Social Media den Handball näher zusammenbringen kann.

Wenn Spielerinnen oder Spieler ihren Vereinsalltag auf Instagram oder TikTok zeigen, wird das im Handball nicht überall mit Begeisterung aufgenommen. Manche Verantwortliche freuen sich über zusätzliche Sichtbarkeit. Andere sorgen sich um den kommunikativen Kontrollverlust. Gelangen Interna nach außen? Lenkt das nicht vom Sport ab? Und was passiert eigentlich, wenn einzelne Persönlichkeiten plötzlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als der Verein selbst?

Auch Svenja Ruhöfer kennt diese Diskussionen. Sie weiß von Vereinen, in denen Verantwortliche die Social-Media-Aktivitäten ihrer Spielerinnen am liebsten komplett unterbinden würden. Ihre eigenen Erfahrungen fallen allerdings ganz anders aus.

Svenja ist Kapitänin beim SFN Vechta, gehörte in den vergangenen Jahren zu den besten Torschützinnen der 3. Liga und erreicht mit ihren Einblicken auf Instagram inzwischen mehr als 11.000 Follower. Zur Einordnung: Das sind mehr, als die meisten Teams der Handball Bundesliga Frauen als Follower aufweisen, nur wenige Nationalspielerinnen liegen darüber.

Wer ihr Profil besucht, findet Trainingseinblicke, Spieltagsvlogs, Fitnessübungen, Kabinenmomente oder Eindrücke aus ihrem Alltag als Physiotherapeutin. Seit etwas mehr als einem Jahr zeigt sie regelmäßig, wie sich ein Leben zwischen Beruf und Leistungssport anfühlt.

Was hat sich seitdem verändert?

„Der Austausch ist viel intensiver geworden. Mir schreiben Spielerinnen, Trainer oder Schiedsrichter. Früher hätte ich mit vielen wahrscheinlich nur kurz in der Halle gesprochen – wenn überhaupt. Man sieht sich ja nur unregelmäßig und kurz."

Je länger wir sprechen, desto klarer wird, wie entscheidend Social Media war, um diese Hürde abzubauen.

Gegnerinnen sprechen sie inzwischen vor dem Spiel auf ein Reel an. Trainer melden sich nach Partien. Schiedsrichter geben Feedback. Spielerinnen erkundigen sich nach ihrem Verein oder erzählen von ihren eigenen Erfahrungen. Und plötzlich entstehen Gespräche, die früher gar keinen Anlass gehabt hätten.

„Eigentlich ist das doch albern. Wir spielen seit Jahren gegeneinander. Warum haben wir nicht schon vorher einfach mal gefragt, wie es läuft?"

Handball lebt vom Miteinander

Regelmäßig gibt es Studien und Umfragen dazu, warum Menschen Handball spielen, verfolgen oder diesem Sport treu bleiben. Gemeinschaft, Teamgeist, Fairness oder die familiäre Atmosphäre gehören fast immer zu den häufigsten Antworten.

Wenn ich mit Menschen Handball schaue, die den Sport kaum kennen, fällt ihnen genau das oft als Erstes auf. Noch im ersten Angriff wird abgeklatscht und umarmt. Gegenspieler helfen sich gegenseitig hoch. Vor dem Spiel wird geplaudert, nach dem Spiel häufig noch länger.

Handball lebt vom Miteinander.

Genau deshalb finde ich Svenjas Beobachtung so spannend. Social Media schafft dieses Miteinander nicht neu. Es führt viele dieser kurzen Gespräche einfach außerhalb der Sporthalle weiter und gibt zusätzlichen Anlass zum Austausch.

Was beschäftigt andere Vereine?

Ein weiterer Punkt ist mir während unseres Gesprächs immer wieder begegnet.

Gerade im Amateur- und semiprofessionellen Handball bleiben andere Vereine häufig eine Black Box. Man kennt Ergebnisse und Tabellen, vielleicht noch zwei oder drei Spielerinnen und Spieler. Wie dort trainiert wird, welche Ideen funktionieren oder welche Herausforderungen den Verein beschäftigen, erfährt man dagegen selten.

Svenja beschreibt das ganz selbstverständlich.

Mal erzählt sie von Recklinghausen, dann von Todesfelde oder Werder Bremen. Sie spricht über unterschiedliche Trainingsbedingungen, über den Austausch mit Spielerinnen anderer Vereine oder darüber, wie unterschiedlich manche Clubs organisiert sind.

Eines ihrer Videos führt zu einem Gespräch über Trainingsbedingungen. Eine Direktnachricht wird zum Austausch über Ligastrukturen. Aus einem Kommentar entwickelt sich eine Diskussion über Sponsoren oder Vereinsleben.

Der andere Verein ist plötzlich nicht mehr nur der nächste Gegner. Er bekommt Gesichter.

Und genau das halte ich für einen Gewinn.

Vorbild für viele

Fast nebenbei erzählt sie noch von einem weiteren Effekt: Mittlerweile wird sie in den Hallen erkannt.

„Bei ganz jungen Handballmädels höre ich dann das Getuschel. ‘Das ist sie.’ Manche bleiben einfach stehen und trauen sich gar nicht, mich anzusprechen."

Für junge Spielerinnen entsteht durch ihre Inhalte ein Bild vom Leistungssport, das oft realistischer ist als jede Hochglanzkampagne.

Sie sehen keine Nationalspielerin, die ausschließlich vom Sport lebt. Sie sehen eine Physiotherapeutin, die morgens arbeitet, abends trainiert, sich durch Verletzungen kämpft, mit ihrer Mannschaft lacht und am Wochenende in der 3. Liga spielt.

Das macht den Weg greifbar und vielleicht auch erreichbar.

Genau das ist Svenja wichtig. Sie möchte nicht den perfekten Leistungssport zeigen, sondern den echten. Erfolge gehören dazu, genauso wie Verletzungen oder Phasen, in denen es nicht läuft. Gleichzeitig möchte sie vermitteln, dass Leistungssport Freude machen kann und nicht nur aus Verzicht besteht.

„Ich möchte zeigen, wie es sein kann. Es gibt gute Zeiten und schlechte Zeiten. Aber ich möchte Menschen motivieren und zeigen, dass nicht immer alles schlecht ist und es nicht nur diesen einen Weg gibt."

Davon profitiert am Ende nicht nur Svenja.

Potenzielle Neuzugänge bekommen schon vor dem ersten Probetraining ein Gefühl für die Mannschaft. Sponsoren erleben den Verein nicht nur an Heimspieltagen. Ehrenamtliche und Mitspielerinnen werden sichtbar. Vereinsleben wird sichtbar.

Bemerkenswert finde ich dabei, wie selbstverständlich Svenja über ihre eigene Rolle spricht. Sie erzählt davon, wie sie bei Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen unterstützt, Charity-Aktionen organisiert oder Kontakte zu Partnern knüpft.
Vieles davon würde sie vermutlich auch ohne Instagram tun. Ihre Reichweite sorgt allerdings dafür, dass sie Menschen leichter erreicht und Türen schneller aufgehen.

Was andere Vereine daraus mitnehmen können

  • Spielerinnen und Spieler können Botschafter ihres Vereins sein – wenn man ihnen vertraut.
  • Gute Inhalte entstehen dort, wo Menschen Einblicke in ihren Alltag geben.
  • Social Media kann Gespräche ermöglichen, die weit über den Spieltag hinausreichen.
  • Sichtbarkeit hilft nicht nur bei Fans, sondern auch im Austausch mit Sponsoren, Ehrenamtlichen und potenziellen Neuzugängen.
  • Manchmal reicht schon eine einzelne Persönlichkeit, um einen Verein nahbarer zu machen.

Über den Autor:

Marco Kehrenberg ist Experte für strategisches Sportmarketing mit Handball-Wurzeln. Als ehemaliger Spieler in der niederländischen Eredivisie und erfahrener Berater begleitet er Organisationen, Verbände und ausgewählte Projekte dabei, ihre Kommunikation, Positionierung und digitale Ausrichtung im Sport weiterzuentwickeln – strategisch, praxisnah und ohne operative Spielereien. Mehr dazu unter https://sport-iq.de.

Für handball.net beleuchtet er regelmäßig, wie Vereine und Organisationen sich im digitalen und strategischen Umfeld klug aufstellen können.

Foto: 

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